Ich halte meinen Mann und mich ja für ein verhältnismäßig modernes und emanzipiertes Paar. Sicherlich gibt es bestimmte Lebensbereiche, in denen die Geschlechterzuordnung recht konservativ scheint (Vaddi spielt Fußball, Muddi kauft gern Kleider und Schuhe). Aber so ganz grundsätzlich leben wir schon sehr gleichberechtigt. Mein Mann kümmert sich genauso um Haushalt und Kind, wie ich auch Abflüsse repariere und Wasserkisten trage.
Das Würschtl allerdings scheint ein echtes Kind des antifeministischen Backlashs zu sein.
Folgende Szene spielte sich neulich morgens ab.
Wir sitzen alle auf dem Sofa im Esszimmer. Würschtl kuschelt noch mit Papa und ich frage: "Na, Würschtl: Was magst du frühstücken? Ein Brot oder Müsli?"
Das Würschtl überlegt und sagt: "Müsli!"
Ich blicke für ca. 5 Sekunden verliebt auf's Kind und freu mich, dass es schon so groß und verständig ist. Dass es eigenständige Entscheidungen treffen kann. Dass es so niedlich ist, wie es da auf Papas Schoß sitzt.
5 Sekunden. Ehrlich. Keinen Moment länger.
Dann beugt sich das Würschtl vor, zieht die Augenbrauen hoch und befiehlt im genervten Ton: "Geh kochen!"
Würden wir in diesem Haus den Ausdruck "aber zack, zack!" öfter benutzen, hätte es den noch angefügt.
Hab ich sofort die Lockenwickler gerade gerückt, die Schürze umgebunden und bin *zack, zack* an den Herd.
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Mittwoch, 13. November 2013
Sonntag, 11. November 2012
Fragen über Fragen
Wisst ihr, was mir neulich aufgefallen ist: im Laufe seine Lebens muss man sich ständig blöde Fragen gefallen lassen.
Zu Anfang sowas wie: "Bist du auch schön artig gewesen im Kindergarten?". Etwas später dann: "Wie war die Schule?" Noch etwas später: "Was willst du denn mal werden?" usw. usf.
Und während sich die Fragen zu Beginn doch sehr auf das schulische bzw. berufliche Weiterkommen im Leben konzentrieren, wird es ab spätestens Mitte 20 persönlich: "Hast du nun endlich einen festen Freund?", "Wann wollt ihr denn endlich heiraten?", "Wollt ihr nicht bald mal Kinder machen?"
Auch mir ging es so und ich war tatsächlich naiv genug zu glaube, ich könnte der Fragerei durch festen Freund, Ehemann und Kind endlich ein Ende bereiten. Aber weit gefehlt. Es ist alles noch viel schlimmer geworden. Seit Lebenstag 1 vom Würschtl fragt mich irgendjemand, ob das Kind schon durchschläft. Und wenn ich sage irgendjemand, dann meine ich wirklich jeden x.beliebigen Menschen auf dieser Welt. Im Park: "Ochhhh, das ja'n Süßer (!). Schläft er schon durch?" In der Bahn: "Der (!) is ja aufgeweckt. Schläft er schon durch?" Auf dem Markt: "Ein Kilo Bananen und 2 Äpfel bitte." "Macht 3,80 €. Schläft das Kind schon durch?"
Zu Anfang sowas wie: "Bist du auch schön artig gewesen im Kindergarten?". Etwas später dann: "Wie war die Schule?" Noch etwas später: "Was willst du denn mal werden?" usw. usf.
Und während sich die Fragen zu Beginn doch sehr auf das schulische bzw. berufliche Weiterkommen im Leben konzentrieren, wird es ab spätestens Mitte 20 persönlich: "Hast du nun endlich einen festen Freund?", "Wann wollt ihr denn endlich heiraten?", "Wollt ihr nicht bald mal Kinder machen?"
Auch mir ging es so und ich war tatsächlich naiv genug zu glaube, ich könnte der Fragerei durch festen Freund, Ehemann und Kind endlich ein Ende bereiten. Aber weit gefehlt. Es ist alles noch viel schlimmer geworden. Seit Lebenstag 1 vom Würschtl fragt mich irgendjemand, ob das Kind schon durchschläft. Und wenn ich sage irgendjemand, dann meine ich wirklich jeden x.beliebigen Menschen auf dieser Welt. Im Park: "Ochhhh, das ja'n Süßer (!). Schläft er schon durch?" In der Bahn: "Der (!) is ja aufgeweckt. Schläft er schon durch?" Auf dem Markt: "Ein Kilo Bananen und 2 Äpfel bitte." "Macht 3,80 €. Schläft das Kind schon durch?"
Das Würschtl hat mittlerweile schon das nächste Level erreicht und so fragt nun jeder: "Uuuuund? Isser schon trocken?" Natürlich erst nach: "Uuuuund? Schläfter schon durch?"
Getoppt wird diese Frage eigentlich nur von einem taktlosen: "Und? Wann setzt ihr das nächste an?" und zwar noch während man im Mutterschutz seinen Kaiserschnitt auskuriert.
Freitag, 29. Juni 2012
Also, Jogi, ...
.. an uns hat es nicht gelegen.
Wir haben echt alles gegeben.
Sogar La-Ola geübt.
Und Autokorso.
Wir haben echt alles gegeben.
Sogar La-Ola geübt.
Sogar landestypisch gekocht haben wir. (Man beachte die Dose Sauerkraut.)
Auch übel irgendwie: diese Fahne haben wir gestern um 18:00 Uhr für 1,20€ gekauft. Heute hat sie fuffzich Cent gekostet. So isse, die heutige Zeit...
Montag, 22. August 2011
Neulich auf dem Kinderspielplatz
Ich bin heute an einem Spielplatz vorbeigelaufen (das Würschtl kann noch nicht in die Sandkiste) und konnte beobachten, wie ein Kind sich immer an einem anderen vorbeidrängelte um zu rutschen. Das tat es nicht besonders liebevoll, aber auch ohne Gefahr für Leib und Leben.
Der Vater des weggedrängelten Kindes sah das anders und motzte das andere Kind an. Dies rief die Mutter des Dränglers auf den Plan und es ergab sich ein hitziges Wortgefecht, dass mit den schönen Worten: "Nicht in diesem Ton, du Arsch!" endete.
Schön. Hätte sich Dieter Krebs nicht besser ausdenken können.
Der Vater des weggedrängelten Kindes sah das anders und motzte das andere Kind an. Dies rief die Mutter des Dränglers auf den Plan und es ergab sich ein hitziges Wortgefecht, dass mit den schönen Worten: "Nicht in diesem Ton, du Arsch!" endete.
Schön. Hätte sich Dieter Krebs nicht besser ausdenken können.
Montag, 8. August 2011
Haus, Glas, Steine - bildet einen Satz
Ich war heute mit einer Freundin und dem Würschtl in einem Café.
(An dieser Stelle sei kurz gesagt, dass mich das Wetter so richtig ankotzt. Ich will mit dem Kind in einen Park! Nicht ins Café! Aber darum soll es jetzt eigentlich gar nicht gehen.)
Wir waren also Kaffee trinken. Am Nebentisch saßen vier Damen und ein Hund. Wobei die Präposition im Falle des Hunde falsch gewählt ist, denn der Hund saß AUF dem Tisch. Zumindest solange die Damen ihren Kuchen aßen. Der Hund hypnotisierte die Kuchenstückchen, leckte die Lippen oder Lefzen (oder Flezen ;) ) oder wie das heißt und sabberte vor sich hin. Und tatsächlich: irgenwann war die Hypnose erfolgreich und er bekam ein Stück vom Kuchen. Direkt auf dem Tisch vom Teller, was soll das Getue.
Gut. Kann ja jeder machen wie er Bock hat. War ja weder mein Tisch noch mein Hund und schon gar nicht mein Kuchen. Aber die Anekdote merken wir uns mal für später.
Irgendwann bemerkte ich, dass die Hunderbesitzerin immer zu uns rüber schaute. Dabei machte sie ein Gesicht, dass mir von mir selbst nicht unbekannt vorkam: sie hatte sowas entrückt-verklärtes, leicht grenzdebiles im Blick als sie das Würschtl beobachtete und mein Verdacht bestätigte sich schnell: die Dame war schwanger. Fand ich ja ganz süß, eigentlich.
Dann allerdings bekam das Würschtl Hunger und da ich noch stille, kann sich ja jeder vorstellen, wie dem Abhilfe geschaffen wird. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich durchaus verstehe, dass es nicht jedem angenehm ist, einer wildfremden Frau auf die blanke Milchbrust zu starren, weshalb ich innerhalb der letzten 6 Monate recht behände im Umgang mit knöpfbaren Oberteilen und Halstüchern geworden bin. Auch habe ich noch nie (!) meine Stilleinlagen auf den Tisch gelegt. (Außer einmal, aber das war MEIN Küchentisch und ich hab mich selbst erschrocken.) Soll heißen: ich bin wirklich einer sehr diskrete Stillerin.
Da nun aber die werdende Mutti immer wieder zu uns rüberäugte, bekam sie wohl mit, dass das Würschtl was zu essen kriegte.
Und ich bekam mit, dass sie es mitbekam.
Außerdem bekam ich noch mit, wie sie sich völlig empört zu ihren Freundinnen drehte und flüster-schreiend meinte, dass DAS ja wohl gar nicht ginge. Sie fände das total eklig. Als eine ihrer Freundinnen meinte, dass wär doch nicht so schlimm, entgegnete sie: "Nee, also neee. Das geht GAR NICHT. Wenn, dann auf dem Klo. Soll die doch auf's Klo gehen!"
Und so kommen wir zum Anfang der Geschichte.
Ich habe heute also eine Frau getroffen, deren Hund in einem Café Kuchen von ihrem Teller essen darf, die aber findet, Babys sollten aus der ...ähhh nein... in der Toilette trinken.
Muss man nicht verstehen.
Donnerstag, 14. April 2011
Sänk ju vor träwelling wis deutsche bahn
Das Würschtl und ich sind heute Bahn gefahren. Und diesmal sogar richtig mit ICE und so. Jetzt mal abgesehen davon, dass diese Kind mal wieder nicht gemacht hat, was ich vorher prophezeit hatte ("Die schläft garantiert sofort ein, wenn der Zug losfährt."), waren sowohl Hin- als auch Rückfahrt sehr entspannt.
Auf der Rückfahrt hatte ich mir dann sogar einen Platz in einem Kleinkindabteil "gegönnt". Und in diesem Fall muss man tatsächlich "gönnen können", denn so eine Reservierung kostet 4,50€ (pro Person und Fahrt).
Das Würschtl und ich hatten also Platz 17 reserviert und wir hatten Glück, außer einer anderen Mama mit ihrem Sohn waren wir allein im Abteil, sodass Kind und ich und Maxi-Cosi und große Umhängetasche auch Platz 15 und 19 in Beschlag nehmen konnten.
Was lässt sich über die Fahrt in diesem Kleinkindabteil sagen?
Sollten Sie jemals das Gerücht gehört haben, dass die Deutsche Bahn ein kinderunfreundliches Unternehmen ist, das sich einen Scheiß um seine kleinsten Reisenden kümmert - das stimmt.
Sollten Sie jemals das Gerücht gehört haben, dass die Deutsche Bahn ein kinderunfreundliches Unternehmen ist, das sich einen Scheiß um seine kleinsten Reisenden kümmert - das stimmt.
Das ausgewiesene "Kleinkindabteil" ist nichts anderes gewesen als ein 1. Klasse-Abteil.
NULL auf die Belange von kleinen Kindern (und ihren mitunter entnervten Eltern) abgestimmt. Keine kleineren Tische, keine durchgehende Sitze für's Nickerchen, von Spielmöglichkeiten ganz zu schweigen. Nein, in einem Kleinkindabteil der deutschen Bahn sitzen sich bis zu 6 erwachsene Personen gegenüber - denn die Sitzplatzresevierung gilt ja nur für einen Platz, auch wenn man vorher am Schalter angibt, dass man mit Kind reist. Wenn man also Pech hat, kann es zu Stoßzeiten passieren, dass da 6 Erwachsene mit ihren Kindern sitzen. Also 12 Personen. Da der Trend zum Zweitkind geht, könnten es auch mehr sein.
NULL auf die Belange von kleinen Kindern (und ihren mitunter entnervten Eltern) abgestimmt. Keine kleineren Tische, keine durchgehende Sitze für's Nickerchen, von Spielmöglichkeiten ganz zu schweigen. Nein, in einem Kleinkindabteil der deutschen Bahn sitzen sich bis zu 6 erwachsene Personen gegenüber - denn die Sitzplatzresevierung gilt ja nur für einen Platz, auch wenn man vorher am Schalter angibt, dass man mit Kind reist. Wenn man also Pech hat, kann es zu Stoßzeiten passieren, dass da 6 Erwachsene mit ihren Kindern sitzen. Also 12 Personen. Da der Trend zum Zweitkind geht, könnten es auch mehr sein.
Ist mir ja noch nicht passiert, aber der Mama, die heute mit im Abteil saß. Die hat mir dann auch ein paar wichtige Überlebenstipps mitgegeben ("antizyklisch fahren" "am besten Abends" "Pokerface bewahren").
Sie hatte übrigens klugerweise 2 Plätze reserviert, damit ihr knapp 2-jähriger Sohn auch ganz offiziell auf einem Sitz platznehmen durfte, dafür ordnungsgemäß 9 € bezahlt und leider erst beim Einsteigen bemerkt, dass auf der Reservierung doch nur wieder ein Platz ausgeschrieben war. Das muss man nicht verstehen.
Beim Betreten des "Kleinkindabteils" (ich schreib das jetzt in Anführungszeichen und ihr dürft euch gern vorstellen, dass ich auch beim Sprechen immer Gänsefüßchen in der Luft mache) ist mir übrigens ein Piktogramm direkt ins Auge gefallen:
Daneben stand noch PSSSST.
Ich hab mich dann kurz gefragt, ob sich dieser Hinweis an die Reisen IM oder an diejenigen AUßERHALB des "Kleinkindabteils" richtet.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Würschtl und ich gemeint waren.
PS. Es gibt übrigens Länder (wahrscheinlich skandinavische) in denen es ganze Kleinkindwagons gibt. Mit Bällebad und allem Pipapo. Ich frag jetzt nicht, warum das bei uns nicht möglich ist, denn ich weiß es ja: Kinder bringen halt kein Geld.
Samstag, 26. März 2011
Mating Season
Ich hab gestern einen unvorstellbaren Anmachspruch gehört.
Also nicht ich persönlich. Ich bin Ehefrau und Mutter und somit nach Einschätzung einer Freundin "seit Jahren raus aus dem Geschäft". Wo sie Recht hat...
Bleibt mir also nichts anderes übrig als das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zu Paarungszeit aus der Ferne zu beobachten und diesbezügliche Anekdoten aus zweiter Hand zu erleben.
Nun also der Anmachspruch, der mich dazu bewog, diesen Eintrag zu verfassen:
Mädchen steht an der Bar.
Junge nähert sich von rechts (könnte auch links sein, ist egal und nicht mehr nachzuvollziehen, da Mädchen schon 1 - 2 Bier getrunken hatte.)
Junge fragt: "Weißt du, wie schwer ein Eisbär ist?
Mädchen (nachvollziehbarerweise): "Hä?"
Junge: "Schwer genug, um das Eis zu brechen. Ich bin Marc/ Klaus/ der Flo/ wasauchimmer."
Kein Scheiß! Echt so passiert! Das gibt es doch gar nicht, oder?
Man muss Marc/ Klaus/ dem Flo oder wemauchimmer zu Gute halten, dass sich da Ganze zutrug, BEVOR Knut das Zeitliche segnete und Gregor und Aleut den Nürnberger Zoo unsicher machten. Macht es aber nicht wirklich besser.
Da fragt man sich doch, wie die Typen auf so einen UNSINN kommen.
Denken die sich das aus oder lesen die tatsächlich diese Lifestyle-Magazine, wie das, welches ich neulich beim Arzt in die Finger bekam (*hust*)? "10 Schritte zum Ladykiller" oder so. Neben einer Auswahl an Anmachsprüchen, die mit obigem durchaus vergleichbar sind, gab es auch das 10 Schritt-Programm von "Betreten einer Location" bis "Flachlegen des OdB*".
Ich hab jetzt 9 von 10 Schritten wieder vergessen, aber ich erinnere mich an Schritt 8 (oder 9?): "Dame fixieren und verführerisch gucken. Dabei an Sex denken."
DAS möchte ich gerne sehen. Wie Horst Kawuppke beim Dorfbums versucht die Frau mit dem größten Traktor in der Scheune mit Hilfe seines Sexgesichts klarzumachen. Oder eher nicht.
Da bin ich dann doch ganz glücklich darüber "raus aus dem Geschäft" zu sein und genieße die Abende auf dem Sofa mit kotzendem Kind.
Und Marc/ Klaus/ Flo oder werauchimmer: hör auf, diese abgeschmackte Show vor dem Spiegel zu üben, geh in eine Kneipe, hab Spaß und wenn dir ein Mädchen gefällt, frag sie doch einfach, ob du ihr'n Bier mitbringen sollst.
Glossar: (hehe!)
* OdB = Objekt der Begierde
* OdB = Objekt der Begierde
Mittwoch, 16. März 2011
Sinnlichkeit im Nahverkehr
Seit gut 6 Wochen bin ich ja nun komplett auf die öffentlichen Verkahrsmittel angewiesen. Manche Distanzen lassen sich zu Fuß nicht bewerkstelligen und mit dem Auto mag ich allein mit Kind nicht fahren. I
ch mein: nix gegen den Lupo. Der ist ein absolutes Transportwunder. Mehrere Billy-Regale und andere Dinge beweisen es.
Aber das Ding hat nun mal keinen Kofferraum und irgendwie kann ich den Gedanken schlecht ertragen, dass mein Baby quasi auf der Straße sitzt.
Lange Rede, kurzer Sinn: ich fahre Bahn.
Gestern Regionalbahn, die man als Einzelperson mit Kinderwagen kaum besteigen kann. Erstens sind da Stufen, die mich spontan an Eisensteins "Panzerkreuzers Potemkin" denken lassen und zweitens befindet sich in der Mitte des Einstiegs ein Handlauf, der es unmöglich macht, den Kinderwagen im Ganzen in den Zug zu bekommen.
Deshalb sah das gestern dann so aus:
Unmöglichkeit, die Stufen zu überwinden erkannt und die Wanne des Kinderwagens abgenommen.
Kind in den Zug gestellt. (kurz von der Albtraumvorstellung durchzuckt, dass sich jetzt die Türen schließen und mein Kind das erste Mal allein Zug fährt).
Versucht das Untergestell in den Zug zu bugsieren.
Gescheitert.
Gepäcknetz des Kinderwagens ausgeräumt und in den Zug gestellt. (Das Kind hätte am Zielbahnhof jetzt Windeln und einen Wechselbody. Immerhin.)
Untergestell seitlich am Handlauf vorbei in den Zug bugsiert.
Schweißgebadet auf's Klapphöckerchen gesetzt.
Geschworen, so schnell keine Reise mehr per Regionalexpress zu unternehmen.
An dieser Stelle auch noch einen Dank an den rauchenden Rotzbengel, der ganz schnell abgehauen ist, als meine Hilflosigkeit offenbar wurde. Danke, du Arsch.
Apropos Arsch: die Straßenbahn benutze ich ja fast täglich und meistens kann ich nicht meckern. Die neuen Bahnen, die hier eingesetzt werden haben breite Türen und sind an den meisten Haltestellen ist der Einstieg ebenerdig.
Grund für Wut und Frust gibt es trotzdem ab und an und wenn dann liegt es meist an den netten Mitfahrern. So haben die Bahnen hier am hinteren Ende der einzelnen Wagen einen ausgewiesenen Bereich für Kinderwagen. Der ist für knapp 2 Kinderwagen konzipiert und für die Mütter gibt es zwei Klapphöckerchen. (Die sie allerdings nicht benutzen können, weil ja da die Wagen stehen, aber egal)
Nach unserem letzten Ausflug zur Babymassage besteige ich also die Straßenbahn und was ist: das sitzt ein Typ auf dem Klapphöckerchen - und zwar direkt unter dem Aufkleber mit dem Kinderwagen-Symbol.
Da wurde es natürlich ganz schön eng. So eng, dass ich ihm leider über den Fuß fahren musste.
Aus Versehen versteht sich.
Die Krücken hab ich echt erst viel später entdeckt und mich dann auch ordentlich geschämt.
Jedenfalls musst ich die gesamte Fahrt stehen, da der Krückentyp auf dem Höckerchen saß. Die 6 Sitze, die eindeutig für Menschen mit Krücken gedacht waren (entsprechendes Symbol mit Kreuz überm Sitz sollte jedem bekannt sein), waren besetzt durch: eine knapp 19-jährige Blondine, eine Business-Lady, ca. 30, ein Penner, etwa 4 Tage nicht gewaschen, ein jüngerer Typ mit Jack-Wolfskin-Jacke, 349€ und einer lesenden Dame zwischen 50 - 60 sowie der Handtasche der lesenden Dame. Ihnen allen war gemein, dass sie total angestrengt aus dem Fenster, an die Decke, auf ihre Schuhe, ins Buch starrten.
Ich hatte mittlerweile einen Hals wie eine Keksdose und mich gedanklich mit dem Krückenmann solidarisiert, den ich durch Zuzwinkern zur Revolte auffordern wollte. Der guckte aber auch nur auf die Krücken.
Also guckte ich mir die Mitfahrer an und mein Blick blieb am Buch der lesenden Handtaschendame hängen. Ein Buch, dass feinsäuberlich eingeschlagen war, wobei der Umschlag aus einer russischen Klatschzeitung selbstgesbastelt war. Die Leserin war komplett in ihre Lektüre vertieft und ihre Hand klammerte sich krampfhaft um ihre Handtasche. Offensichtlich war es spannend.
Und während ich noch dachte: "Mensch, das ist ja toll, wie behutsam manche Leute mit ihren Büchern umgehen. Du musst dir echt abgewöhnen, die Dinger immer aufgeschlagen liegen zu lassen." konnte ich einen Blick auf die erste Seite des Werkes werfen. Titel: "Im Sog der Sinnlichkeit". Verfasserin: hab ich vergessen, aber irgendein französischer Name wie Angelique oder Claudette.
So sieht sie also aus, die Erotik des Nahverkehrs: ein billiger Fickelroman mittags in der Tram.
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